16. September 201622:25

Anna und Armand - Miranda Richmond Mouillot

Titel: Anna und Armand 
Autor/in: Miranda Richmond Mouillot
Seitenanzahl: 352
Verlag: Limes

1948, nachdem sie gemeinsam den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, kaufen Anna und Armand - die Großeltern der Autorin - ein altes Steinhaus in einem abgelegenen, malerischen Dorf in Südfrankreich.
Fünf Jahre später packt Anna ihre Sachen und verlässt Armand. Die Schreibmaschine und die Kinder nimmt sie mit. Abgesehen von einer kurzen Begegnung, haben die beiden nie mehr miteinander gesprochen, nie neu geheiratet oder irgendjemandem offenbart, was sie so unwiederbringlich entzweit hat.
Dieses Buch ist die mitreißende Geschichte der Reise, die Miranda Richmond Mouillot unternahm, um zu den Wurzeln dieses verbitterten, unbeugsamen Schweigens vorzudringen. Einer Reise, auf der sie lernte, wie man nicht nur überlebt, sondern das Leben in all seiner Schönheit umarmt- indem sie das alte Steinhaus und das kleine südfranzösische Dorf zu ihrem Zuhause machte und die Liebe fand... 

Miranda Richmond- Mouillot erzählt das Leben ihrer jüdischen Großeltern, die beide den zweiten Weltkrieg überlebt haben. Sie erzählt mit einer ungeheuren Hingabe, Leidenschaft, Selbstkritik und Liebe, sodass jeder Leser vom ersten Satz an. gefangen ist.
Man spürt auch, wie schwer es ihr gefallen ist die eigene Familienmitglieder nach Details aus der Vergangenheit zu fragen.
Die Autorin möchte die Geschichte ihrer Großeltern kennen, die sich fünf Jahre nach dem Krieg getrennt haben. Hat diese Liebe Einfluss auf das Leben der Autorin?
Ihre akribische Suche nach ihren familiären Wurzeln hat mich derart gefesselt, dass ich das Buch an einem Tag verschlungen habe.
Stück für Stück setzt sie die Puzzleteile zusammen, studiert Dokumente aus Annas Flüchtlingsakte und gerät unter Zeitdruck, weil Armand zunehmend dement wird.
Wo Fragen offen bleiben, versucht sie sich, in ihre Großeltern hineinzuversetzen und vernachlässigt dabei fast ihr eigenes Leben und ihre Zukunftspläne. Ihre wiederkehrenden Befürchtungen, ob sie nüchterne Fakten nicht grundlos romantisiert, kommt sehr gut zum Ausdruck
Nicht nur die mysteriöse Geschichte, auch der Schreibstil der Autorin entfaltet einen besonderen Zauber und man wird sich bei der Lektüre bewusst, dass man das Ergebnis ihrer mühsamen Recherchearbeit, die sie mit Fotos aus dem Familienarchiv und einer Zeittafel illustriert, in den Händen hält.
Außerdem finde ich es sehr gut, dass zu Beginn des Buches eine Karte zu finden ist, wo man die wichtigsten Stationen der Flucht von Anna und Armand sieht.
Die Großeltern werden als sehr liebenswürdige Charaktere von mir empfunden. 
Als Leser taucht man in die geschilderten Handlungen ein, - z.B. die Flucht der beiden in die Schweiz - und hofft und bangt mit den Flüchtlingen. 
Dieses Buch ist kein Roman, sondern die Geschichte einer Frau, die auf der Suche nach ihren Großeltern und deren Erlebnissen in den 40er Jahren - aber auch die Suche nach den eigenen Wurzeln.
Sicherlich ist ein wichtiger Faktor die historischen Ereignisse des zweiten Weltkrieges und des Holocausts, aber im Mittelpunkt stehen die persönlichen Entwicklungen und das Zwischenmenschliche- auch der folgenden Generationen,
Für mich ist es ein sehr berührendes, persönliches und streckenweise erschütterndes Buch, dass mich von Anfang bis zum Ende gepackt hat. Es trägt in meinen Augen seinen Teil zur Aufarbeitung bei und widersetzt sich zurecht einer möglichen Schlussstrich-Mentalität!

Eine absolute Leseempfehlung! 







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